Ist das Liebe oder kann das Weg? / Red du mir von Liebe

Marcus Kaloff beschwört in seiner Inszenierung „Red du mir von Liebe“ archaische Bilder einer Ehekrise herauf, überzeugend dargestellt von Ines Lacroix und Matthias Engel.

„Sie hätten dich einschläfern sollen“, schreit eine verbitterte Frau mittleren Alters, ihrem egoistischen, karrieregeilen Mann nach dreißig Jahren Ehe ins Gesicht. Kurz darauf liegen die Trauringe zwischen ihnen.

Marcus Kaloff beschwört in seiner Inszenierung „Red du mir von Liebe“, nach der gleichnamigen Vorlage Philippe Claudels, archaische Bilder einer Ehekrise herauf, überzeugend dargestellt von Ines Lacroix und Matthias Engel.

Auf den Gesichtern der Schauspieler erzählt sich die ganze Geschichte von den Verhärmungen und Psychosen einer selbstzerstörerisch geführten Ehe. Was für den Zuschauer als voyeuristischer Spaß an den oft derben gegenseitigen Beleidigungen beginnt, stößt in seinem Crescendo an die Grenzen des Ertragbaren. Was hindert die beiden eigentlich noch daran, sich scheiden zu lassen? Die gemeinsamen Kinder? Die finanzielle Abhängigkeit der Frau? Die Angst des Mannes, sich vor seiner Familie die Blöße zu geben? Da wären die vielen Eifersuchtsszenen, die sich in ihrer Ambiguität der vorgeschobenen Lieblosigkeit erwehren. Egal ist man sich jedenfalls nicht. Das zeigt sich vor allem deutlich in der Katastrophe im letzten Drittel des Stücks. Als seine Frau ihm sagt, dass sie selbst beim Anblick ihrer Zimmerpflanze mehr empfinde, als es je bei ihm der Fall gewesen sei, bricht ihr Mann vor Kränkung jäh zusammen. Er entschuldigt sich und bittet sie den Streit zu vergessen. Und tatsächlich – Kurze Zeit später liegt sich das Ehepaar unter gegenseitigen Liebesbekundigungen versöhnlich in den Armen.

Nicht ohne Ironie behält Marcus Kaloff den übertrieben harmonischen Schluss Philippe Claudels bei und hinterlässt den Zuschauer mit der Sinnfrage: Ist das Liebe oder kann das weg?

Max Engeländer studiert Germanistik und Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

 

© Foto Ray Behringer